Before Unity, 2010

Auszug aus der Einführungsrede von Tilman Rothermel
zur Vernissage der Ausstellung Resonanzen – Bremer Kulturen I
in der Villa Ichon, Bremen vom 12. August bis 03. September 2010

Nabiha Dahhan ist eigentlich eine deutsche Frau, wenn sie nicht einen syrischen Vater hätte. Vielleicht kann man auch sagen „gehabt hätte“ obgleich der Vater noch lebt und soweit ich weiß in Deutschland arbeitet. Nabiha hat sich mit ihrer eigenen Geschichte sehr intensiv beschäftigt, nach Jahren des Leids – und der Trauer um den Vater, der nie verstanden hat, was es heißt, ein Vater hier in unserer westeuropäischen Kultur zu sein.
Erst vor ein paar Jahren ist es ihr dann gelungen, durch glückliche Umstände Ihre Familie in Syrien wieder ausfindig zu machen, und hat diese Begegnung in ihre künstlerische Arbeit integriert. 

Nabiha ist wie Paida Fotografin und lebt, liebt und arbeitet seit Jahren zusammen mit Thomas Kolodziej, mit dem sie das Langzeitprojekt „Unity“ geschaffen hat. Es ist für sie die Kompensation all des Leids, das ihr in der Kindheit und Jugend widerfahren ist und so erklärt sich der Titel des Werkes hier: „before unity“:
es ist die Konfrontation mit der eigenen Geschichte, mit dem Verlust des Vaters aber gleichzeitig mit der Wiedergewinnung ihrer fremden Familie.
Über das biografische hinaus ist diese Arbeit eine hochgradig verdichtete Reflektion kultureller Gegebenheiten: dort die Verhüllung des Gesichts bei den Frauen, nur die Augen haben das Recht die Welt zu erblicken, hier die Unkenntlichmachung der Augen, als Symbol für die Entpersonalisierung oder auch die Geheimhaltung der Individualität. Dahhan hat diesen Widerspruch mit einer ungemein einfachen Formel gelöst. 

Die zahlreichen Gäste wurden begrüsst von Lothar Bührmann.
Die Ausstellung wurde von Tilman Rothermel eröffnet (pro-tisk.de, tilmanrothermel.de).
Es erschien ein Ausstellungskatalog.
Unterstützt haben dieses Ausstellungsprojekt:
Die Bremer Landesbank, der Senator für Kultur der Freien Hansestadt Bremen, der Bremer Rat für Integration, das Institut francais de Breme, die Villa Ichon, die Bremer VHS und Fernsehmeister Peter Horn.

Before Unity (Serie mit 14 Bildern) wird online nicht präsentiert,
sondern nur auf Anfrage gezeigt.
Before Unity (Series with 14 images) will only be shown on request.

In Before Unity arbeitet Nabiha Dahhan ihre schwierige Kindheit als Tochter zweier vom Zusammenprall kultureller Gegensätze völlig überforderten Eltern künstlerisch auf. Jahrelang war ihre Kindheit ein Zustand des Streits. Drohungen, Angst und väterliche Gewalt bestimmten den Alltag. Nach dem Scheitern der Ehe der Eltern lebte Nabiha Dahhan bei ihrer jungen Mutter, die mit der Situation häufig überfordert war. Nabiha Dahhan wuchs dann ohne Kontakt zu ihrem Vater und ihrer arabischen Verwandtschaft auf. Erst 2007 konnte die Künstlerin durch Mithilfe des Direktors eines syrischen Kunstfestivals ihre arabischen Verwandten finden. Die Werke dieser Ausstellung zeigen die ersten und einzigen Bilder von Nabiha Dahhans arabischen Onkels, Tanten und Cousins, die sie nach fast 27 Jahren im Alter von 30 Jahren wieder sehen durfte.

Über das Zusammentreffen mit ihrer Familie sagt Nabiha Dahhan: Ich werde nie diese unglaubliche Herzlichkeit und menschliche Wärme vergessen, mit der ich wie ein verlorenes Kind empfangen und aufgenommen wurde. Eine unglaublich tiefe Erfahrung, die meinem Herzen Frieden gegeben hat und mit der ich allen Menschen Hoffnung machen möchte, dass aus einer dunklen Vergangenheit immer auch eine strahlende und bunte Gegenwart werden kann.

 

 

 

 

Anlässlich der Arbeit Before Unity führte Funkhaus Europa ein Interview mit Nabiha. Es  wurde am Mittwoch den 19. Januar 2011 um 16:40 Uhr auf 103,3 MHz und online auf http://www.funkhauseuropa.de gesendet und
kann mit freundlicher Genehmigung hier angehört werden (3:57min)Interview Nabiha Funkhaus Europa 2010

 

 

Dezember 2010
Nabiha bei der Vernissage von Before Unity in der Villa Ichon Bremen – online im MERIAN Magazine hier  clicken für den Artikel