UNITY ART CONTEST 2013 CONTRIBUTIONS

BEITRÄGE zum ERSTEN ABSOLUT SUBJEKTIVEN TRANSPARENTEN
UNITY ART FOTO-INTERPRETATIONS WETTBEWERB

vom 21. März bis 21. April 2013
Kunst ist die Tochter der Freiheit (Friedrich Schiller)

CONTRIBUTIONS  to the FIRST ABSOLUTELY  SUBJECTIVE TRANSPARENT
UNITY ART PHOTO INTERPRETATION CONTEST 2013
from March 21 to April 21 2013
Art is the daughter of freedom. (Friedrich Schiller)

29. April 2013
Liebe Wettbewerbsteilnehmer!

Wir Danken Euch von Herzen für Eure sehr inspirierende Teilnahme an unserem Wettbewerb! Wir sind begeistert von Euren Beiträgen und fasziniert davon, wie sehr Ihr Eure Phantasie habt anregen lassen! Es ist eine grossartige Erfahrung für uns, Eure Eindrücke unserer Bilder zu lesen – was wiederum neue Versionen der Metamorphosen in unseren Köpfen entstehen lässt…!  Die Wahl des ersten Preises wird uns nicht leicht fallen. Wie versprochen, bekommt Ihr Firebird in einer limitierten und signierten SonderEdition per Post. (…) Fragen, Ideen und Feedback sind natürlich immer willkommen.Wir freuen uns wirklich sehr, dass dieses Experiment zu solch schönen Ergebnissen, und neuen Kunstwerken (Eure Texte!) geführt hat. DANKE!
Von Herzen
Nabiha & Thom

 

 

#1 Ilka Floeren, March 20 2013 (blog) on EOS:

Eos, 2010I closed my eyes
I breathed in deeply
every little cherry was dancing in the purple sun
and made my soul shining more and more.“

 

 

#2 von Kai Schwochow, 21. März 2013 (per Email) zu EOS:
„Liebe Nabiha, lieber Thom,
ich liebe Eure Metamorphosen… Diese eine ganz besonders.
Das Foto entspringt einer ziemlich einfachen Szene, doch in Zusammenhang mit Nabiha’s Gesichtsausdruck bekommt das Bild die entsprechenden Farben, die Besonderheit und das Strahlen… Es ist so schön, weil Rot, Gelb, Pink und Lila mit Blau und Schwarz zusammenwirken…DANKE…
Ganz lieben Gruß
Weitermachen!
Kai“

 

 

#3 von Ulrike Gärtl, 21. März 2013 (in facebook) zu  HAMADRYADES:
„Fest verwurzelt.“

 

 

#4 von Sven Neugebauer, 22. März 2013 (per Email) zu NEREID:
„Auf dem Gipfel angekommen, sehne ich mich schon wieder nach dem Meer.“

 

 

#5 von Professor Dr. Gottfried Jäger, 25. März 2013 (per Email):

Hamadryades, 2012
„Liebe Nabiha, lieber Thom,
gern beteilige ich mich an Eurer Fragestellung und nenne Euch zuerst meinen Favoriten: HAMADRYADES, 2012. Dazu ein kurzes Statement:

Die ineinander verschlungenen Pflanzenteile, die das Bild auf den ersten Blick zeigt, lassen ein interessantes, doch kaum sonderlich bemerkenswertes Fotomotiv erkennen:  Ergebnis natürlicher Wachstumsvorgänge, wie man sie in alten Gärten, Parks oder an historischen Gebäuden finden kann. Auch die Art der Fotografie des Rankenwerks im hellen Sonnenlicht ist nicht eben sensationell. Aufnahmen wie diese hat man schon vielfach gesehen. Und doch. Da ist etwas, das irritiert – sofern man das Bild genauer liest. Hier und da ist auf einem der Stämme oder in einer Ecke des Bildes ein Zeichen zu erkennen, vage und versteckt, vielleicht ein Gesicht? Dann sind, dann werden es immer mehr, kleine und größere Gesichter, immer deutlicher auch. Hat man die ersten Zeichen einmal erkannt, so sucht man weiter und findet ähnliche Signale, ohne an ein Ende zu gelangen. Schließlich konstruiert man sie gedanklich auch dorthin, wo sich in der Tat nichts Entsprechendes befindet. Das ist die „Sensation“ des Bildes, sein ‚Punktum‘ (Barthes). Es sind Bilder im Bild, die den Betrachter animieren. Sie regen mich an, mir ein eigenes Bild (vom Bild) zu machen. Immer neu. Denn die Phantasie ist unerschöpflich. Begegne ich demnächst einem ähnlichen Motiv in der Natur, werde ich das hier ausgelöste Spiel unweigerlich fortsetzen.“

 

 

#6 Thomas Gerwers, 25. März 2013 (im blog) zu NEREID:
2_UnityArt_Nabiha+Thom_Nereid_20102_contes
„Eine Nereïde, also eine der 50 Töchter des Nereus und der Doris, Nymphen des Meeres, die Schiffbrüchige beschützen und Seeleute mit Spielen unterhalten… Sie wohnen in Höhlen am Grund des Meeres und sind Begleiterinnen des Gottes Poseidon, reiten auf dem Rücken von Delfinen oder Hippokampen.
Die Namen der Nereïden sind sprechende Namen. Bei Homer werden ihnen dabei eher bloße Eigenschaften des Meeres zugeschrieben, so z. B. Glauke = “die Blaue”, während Hesiod den Namen der Nereïden Eigenschaften und Dinge zuschreibt, die sich die Menschen vom Meer erhofften, so z. B. Eudora = “die gute Schenkerin”.
Gleichsam handelt es sich hier wohl um die blaue Schenkerin, zu der die Fotografin sich im Selbstbildnis stilisiert, denn sie schenkt uns einen Einblick in einem Moment der Kontemplation, der Sammlung, des Alleinseins im blauen Licht ihrer für uns fernen Welt…“

 

 

#7 von Joachim Fildhaut, 25. März 2013 (per Email):
„Hallo Unity Art,

UnityArt Nabiha and Thom_Kundalini_2012_t

beim Beschauen der Bilder habe ich mich prompt verklickt und bin bei „KUNDALINI“ gelandet, was mich unvermutet zu dem 2zeiler inspirierte: Ein Atheist schleicht sich von hinnen:
Der Mopsgott leuchtet sehr von innen.

Als ich zu der richtigen Bildauswahl zurückgeklickt hatte, fiel mir zu „AL RACHILA“ auf:

Noch auf der Berge höchsten Höhn
sieht sie lauter Zeichen stehn.

Das ließe sich in einer mehrstrophigen Ballade ausführen, die in einer Stadt im Tal beginnt, wo Reklame- und andere Schriften im öffentlichen Raum die Wandrerin bedrängen. Aber inzwischen sah ich bei euren Wettbewerbsbedingungen, dass Einsendungen wegen mangelnder Ernsthaftigkeit disqualifiziert werden können. Tscha.

Vor Euren bildern fühl ich mich ein bisserl wie ein Schrebergärtner, der in ein Orchideenhaus eingeladen wurde, um dort irgendwie anzupacken…“

 

 

#8 von Anna Siegel (11 Jahre), 26. März 2013 (im blog) zu ARSLAN:
„Ich finde das Bild sehr schön, weil man wenn man genau hinschaut einen Löwen zwischen dem Feuer und den Sternen erkennt, dass erinnert mich ein bisschen an den Zirkus. Ich mag das Bild sehr. Es ist auch ein schöner Kontrast.“

 

 

#9 von Götz, 27. März 2013 (im blog) zu ARSLAN:
5_UnityArt_Nabiha+Thom_Arslan_2011_contes
„Aus dem See des Bewusstseins steigen die jungen Seelen auf, strotzend von Energie – leere Gefäße, die begierig in die mannigfaltigen Welten strömen, um Erfahrungsschätze zu heben und um den ersten Schritt auf der Evolutionsleiter der Entwicklung vollführen zu können. Ein Spektakel ursprünglichster Reinheit und unendlicher Liebe, das ultimative Alpha geboren aus den Tiefen des “OM”-ega. So viele Existenzen, so viele Möglichkeiten, so viele Lebenslinien – ein nur scheinbar zufälliges Chaos, das doch genau das Gegenteil ist – nämlich ein Meisterplan, ein Feuerwerk göttlicher Funken.“

 

 

#10 von Franz Friedrich, 31. März (per Email) zu EOS:
1_UnityArt_Nabiha+Thom_Eos_20102_contes
Müssen wir – Seiende – nicht vergehen?
im Nahen der Götter.
Wo erst das Sterben hinführt,
Eigentlich. Vielleicht. Geglaubt. Unglaublich.

Jäh!
Licht-Spiel-Geworfen
vor ihr Angesicht.
Erden-entsteigend – morgendlich-zeitlos – Gedanken-versunken.

Unverhofft:
Fried-voller Auf-gang
Flutende Farben der Sanft-mut
Lichtendes Strahlen über das Innen-hinaus

Kühl-purpur,
indigo-blauend, die Hügel,
karmesin-überhaucht, orange-übertönt,
gold-entflammt überhimmelt.

Beerenglut,
fruchtragende Sonnen im Nichts-Etwas,
Sommerreife im Über-All.
Duftatmend

Liniendickicht,
buschbesäumte Ufer, meerspiegelnd.
Schwarzschattiges Geheimnis,
hochaufgestellt.

Horizont:
Göttlicher Lippen
aurorafarbener Schwung.
Stille – gesammelt zum Wort.

Dein Augen-Blick hinter verschlossenen Lidern,
morgene uns das Seinsströmen der Welt.
Wo der Be-weg-grund an-hebt.
Wirk-lich. Ent-scheidend. Un-umkehrbar. Be-glückt.

 


#11 von Rabea Schmiedehausen 07. April 2013
(per Email)
DIE PILGERIN
Sie saß am anderen Ende der Welt auf einer Holzbank vor einer Hütte und machte eine Pause. Sie schloss die Augen unter ihrer großen Sonnenbrille. Sie wusste nicht, wie lange diese Reise noch dauern würde – es hing vom Erfolg ihrer Mission ab, dachte sie -, sie wusste nur, wie lange sie schon unterwegs war, viele Wochen schon. Seit vielen Wochen zog sie durch aller orientalischer und asiatischer Herren Länder auf der Suche nach… „einem Elefanten mit einer Rose auf der Stirn“.
Von ihm hing alles ab, Leben oder Tod ihres Liebsten womöglich.

Ihr Geliebter war krank, totkrank. Mit ihm hatte sie bereits viele Jahre zusammen gelebt und gearbeitet, gelacht und gestritten, Pläne und Visionen gemacht und erlebt und in die Welt gebracht. Alles in ihrem Leben entstand aus der Reibung mit ihm, sie waren eins, sie konnte sich ein Dasein ohne ihn nicht vorstellen, es wäre gewesen, als sollte sie sich ein Dasein ohne sich selber vorstellen.

So hatte sie Tag und Nacht an seinem Krankenbett ausgeharrt (keinesfalls wollte er in einem lupenreinweißen, sterilen Krankenhaus liegen) und beobachten müssen, wie trotz aller Bemühungen der Ärzte eine Therapie nach der anderen fehlschlug.

Und dann eines Nachts…

(Bild NEREID)
2_UnityArt_Nabiha+Thom_Nereid_20102_contes
Es war Nacht geworden und mit dem auf sein Bettlaken gesunkenen Kopf hatte sie einen ungewöhnlich klaren und intensiven Traum gehabt: Sie war vom Krankenbett aufgestanden, durch den Garten gegangen hinüber zum überdachten Schwimmbecken, auf dessen Wasseroberfläche Lotusblumen schaukelten, und war die Stufen ins Becken hinabgestiegen – nur dass nach den üblichen drei nicht Schluss war wie sonst, wie selbstverständlich stieg sie immer tiefer und tiefer, als das Wasser schon längst über ihrem Kopf zusammengeschlagen war. Mit leichtem Erstaunen stellte sie fest, dass sie das Wasser atmen konnte, es gab nur etwas mehr Widerstand als Luft, die Atemzüge dauerten länger und so schlug das Herz auch langsamer. Sie wurde ruhiger. Nachdem es anfänglich immer dunkler geworden war und sie schließlich in vollkommener, aber vertrauensvoller Schwärze, die Geborgenheit ausstrahlte, nach unten getappt war, wurde es nun wieder heller, luzider, phosphoriszierendes Licht erreichte sie in größer werdenden Wellen. Ein Goldfisch schwamm vorbei und flüsterte ihr in ihrer eigenen Stimme zu „Hier lang“. Sie stieß sich von den Stufen ab und schwamm ihm hinterher. Von allen Seiten schlossen sich noch mehr Fische in allen Rottönen an und flüsterten und wisperten alle durcheinander mit ihrer Stimme, „Folge mir nur“, „Hier geht es zu mir“, „Ich erwarte dich“… Seltsamerweise sprachen die Fische, die mit der gleichen Stimme sprachen, alle im Singular, als ob sie eins wären…

Mit einem Mal erblickte sie vor einem Unterwasserhügel aus Korallen einen Strudel, einen Wasserwirbel. Er sah aus wie ein Tornado-Luftwirbel, nur kleiner, langsamer, wie in Zeitlupe, aus Wasser. Die Strudelbewegung verlangsamte sich und verebbte schließlich. Sie erblickte ein schemenhaftes nacktes Abbild ihrer selbst, eins mit dem Wasser und doch unterschieden, so dass man es sehen konnte. Sie wusste, es war dreidimensional und doch war es durchscheinend. Sah man auf eine Stelle genauer, z.B. eine Hand, löste sie sich in Wasser auf. Man konnte die Gestalt nur erkennen, wenn man sie als Ganzes ins Auge fasste. Das Wesen schien unbeirrt in seinem Tun fortzufahren, zunächst schien es ihr, als  ob es sich herausputzen würde, es fuhr sich durch die Haare, an den Augen und über die Haut im Gesicht entlang, dann auch über andere Teile des Körpers. Urplötzlich machte ihr Ebenbild eine blitzschnelle, feine Bewegung aus seinem Handgelenk und herausglitt ein neugeborener kleiner Goldfisch, der sich zu den anderen gesellte. Dies wiederholte sich fortlaufend, während die Nymphe ohne ihre Besucherin anzusehen einfach durch die Fische weiter zu ihr sprach. Nachdem die zuvor alle durcheinander gesprochen hatten, sprachen sie jetzt, als wären sie aus einem Fischbein. Es war wie ein purer Akt der Konzentration. Die Stimme sprach mit der größtmöglichen Einfachheit und Autorität. „Ich bin Nereid, das Wesen der Lotusblume, das du bist, dein Alter Ego, deine Traumschamanin, viele Name habe ich, nenn mich, wie du willst, du weißt schon, wer ich bin… Du willst deinen Geliebten retten. Geh und finde den Elefanten mit einer Rose auf der Stirn. Er wird die Lösung bringen. Kein afrikanischer Elefant. Wenn du ihn gefunden hast, wirst du mich auf seiner linken Schulter reiten sehen. Auf dem Weg zur Lösung wirst du alle vier Elemente durchschreiten, beginnend mit dem Wasser, hier bei mir…“ Die Stimme war immer leiser geworden und verlor sich nun im Plätschern des Wassers, die Fische begannen sich wieder ins Wort zu fallen, der Strudel begann Nereid wieder einzuwickeln, die Sicht verschwamm, alles wurde undeutlich, sie sah Luftblasen aufsteigen und… erwachte.

Lange hatte sie ihrem schlafenden Liebsten ins Gesicht gesehen und dann, genauso plötzlich wie die Handbewegung der Nymphe, war sie ohne zu zögern und den geringsten Zweifel zu der Suche nach diesem besonderen Elefanten aufgebrochen, einen kurzen Brief hinterlassend, in dem sie mitteilte, dass sie lieber auf der Suche nach Heilung für ihn sterben wolle als sein Sterben überleben.

 

(Bild AL-RACHILA)
4_UnityArt_Nabiha+Thom_Al-Rachila_20112_contes
Und nun saß sie vor diesem Holzhaus, nach wochenlanger Odyssee, in der sie ihrer Intuition folgend die verschiedensten Länder des fernen Ostens (einen anderen Hinweis hatte sie nicht – „kein afrikanischer Elefant“), angefangen mit Thailand, bereist hatte, um den mysteriösen Elefanten zu finden. Anfangs hatte sie vornehmlich religiöse Feste besucht, an denen geschmückte Elefanten teilnahmen, in der Hoffnung, einer unter ihnen würde eine Rose auf der Stirn tragen. Alle möglichen Verzierungen, mit Glasperlen bestickte Decken, mit bunten Fäden geflochtene Schwänze, polierte Stoßzähne, auch Blumengirlanden hatte sie an den majestätischen Tieren gesehen, aber niemals eine Rose auf der Stirn. Mittlerweile schien es ihr, als würden sie die kleinen Äuglein der gewaltigen Tiere jedes Mal mitleidvoll ansehen, wenn sie sie einer genauen Betrachtung unterzog. Wie eine Fata Morgana trug sie das Bild des rosengeschmückten Elefanten vor sich her, überlagert vom Bild ihres totkranken Geliebten. Immer wenn sie sich ihm auf ihrem Weg durch Thailand, Laos, Birma, Bangladesh und zuletzt Indien zu nähern schien, verschwand es am Ende. Und nun saß sie vor dieser Hütte in Bhutan, wohin es sie, sich selbst wegen Misserfolg aus Indien vertreibend, zurzeit verschlagen hatte, in den Reisekleidern ihres Liebsten und mit seiner Kappe als Glücksbringer in der rechten Hand, die sie niemals aufsetzte und niemals losließ, um ihn auf diese Art immer bei sich zu haben, immer festzuhalten, auf der anderen Seite der Stab, den er ihr einst geschenkt hatte. Wie sehr hätte es ihr gefallen, mit ihm zusammen diese Länder zu erkunden, unter diesen Umständen jedoch war es wie eine Reise durch Dantes Inferno, begleitet von einem imaginären Geschöpf, das nicht greifbar war. Erschöpft war sie, aber nicht geschlagen – wie konnte man geschlagen sein, solange man liebte -, nur verzweifelt, nur hin und hergerissen. Die Realität hatte ihr die Zweifel zurückgebracht. Der helle Tag hatte nicht die Klarheit und traumwandlerische Sicherheit der Nacht. Ein Knie zeigte in die Richtung, aus der sie gekommen war, letztlich aus der Heimat, wohin sie sich sehnte, nicht wissend, ob sie ihren Geliebten noch lebend vorfinden würde, wenn sie nicht rechtzeitig aufgab, das andere Knie in die Richtung zeigend, die ihre Reise ins Unbekannte vorgab. So sah sie sich selbst, Pilgerin des irrationalen Auswegs aus dem Zustand des Uneins-Seins, Glücksritterin nach dem Gral der Heilung, für sich nicht weniger als für ihn, in einem Moment der Stille von der Hatz nach dem, was vielleicht alles verändern und ihr ihr Leben von vormals zurückgeben konnte, wie sie hoffte. Sie wusste, sie konnte nicht ewig so weitermachen, sie musste sich entscheiden, vor oder zurück. Mit leeren Händen zurückkehren, ihn tot oder bald tot vorfinden, ihn vielleicht noch einmal lebendig sehen? Oder vorwärts gehen und für immer in die Irre gehen? Was folgte sie da? Doch nur einem Traum. Konnte sie einem Traumgespinst trauen, selbst wenn es mit ihrer eigenen Stimme sprach? Und selbst wenn, selbst wenn sie den Elefant mit der Rose fand? Was geschah dann? Das war immer noch kein Medikament, sie konnte sich ja wohl schlecht eine Scheibe von dem Tier abschneiden, trocknen, zu Pulver zerreiben und mit nach Hause nehmen… Solche seltsamen Gedanken – sie fürchtete beinahe, einen Sonnenstich erlitten zu haben. Und selbst wenn der Elefant sie tatsächlich irgendwie zu einem Arzneimittel leitete, konnte sie immer noch zu spät kommen…

Was war richtig? Beides konnte falsch oder richtig sein. In jedem Augenblick ihrer Reise war diese immer drängender werdende, aber verdrängte, auf später verschobene Frage im Hintergrund präsent, doch hier nun hatte sie sie eingeholt, so wie sie den Elefanten bisher nicht eingeholt hatte, und wurde ihr vollends bewusst. Wann war genug genug? So verharrte sie im Schwebezustand dazwischen, unfähig im Angesicht einer so folgenschweren Wahl auch nur einen Finger zu rühren. Sie wurde ganz ruhig. Sie sah sich selbst in beiden Händen eine unsichtbare Waagschale haltend, in denen rechts wie links ER saß… Wenn nichts richtig war, konnte auch nichts falsch sein. Vor ihrem inneren Auge sah sie sich sitzen, sie brauchte keinen Spiegel, um dieses Bild ganz klar vor sich zu sehen. Nereid war ein Teil von ihr, genauso unsichtbar und doch vorhanden, das wusste sie genau, ein tiefes inneres Wissen gab ihr diese Sicherheit. Sie war der Anfang gewesen, der sie, so verworren und beschwerlich der Weg auch sein mochte, zur Lösung führen konnte. Die Lösung lag also in ihr, die Lösung lag immer in einem selbst. Und hier sah sie nur das äußere Abbild davon, das Bild, das das innere, wesentliche Geschehen verbarg… Das war es! Was, wenn es gar nicht um einen wirklichen Elefanten ging? Sondern um das Abbild eines Elefanten? Gab es in den buddhistischen und hinduistischen Kulturen dieses Erdteils nicht überall Abbilder des elefantenköpfigen Ganesha, des Überwinders aller Hindernisse? Danach sollte sie Ausschau halten.

 

(Bild LORD OF OBSTACLES)
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Vor ihrer Weiterreise nach Tibet wollte sie noch eine kleine innere Einkehr abhalten, Kraft sammeln und um etwas Glück beten.
Die bhutanische Hütte mit den Schriftzeichen an der Außenwand, an der sie gelehnt hatte, enthielt einen kleinen Gemeindetempel.

Sie schob die Holztür auf… und traute ihren Augen nicht. Zu ihren Füßen erstreckte sich ein 1m x 1,50m großes filigranes Sandbild aus feinsten Körnchen in verschiedenen Grauschattierungen, in die an manchen Stellen winzig klein gehäkseltes Gras und zerriebene Blüten untergemischt waren. Es war ein unsäglich zartes, großartiges, der Vergänglichkeit anheimgegebenes Kunstwerk – allein das Gras würde binnen weniger Stunden austrocknen und braun werden -, das die Mönche des nahegelegenen Klosters vollbracht haben mussten. Es zeigte die recht naturgetreue Darstellung eines Elefanten, dessen Oberflächenstruktur durch leichte Wellen und Verwehungen im Sand so gestaltet war, dass es aussah, als wäre eine weitere optische Ebene über das Bild gelegt worden, das wie ein wundersames Gewebe so in Motiv und Elefantenhaut eingeprägt war, dass dem Tier eine aufblühende Rose aus der Stirn zu erwachsen schien.

Der Pilgerin, deren Mimik vollkommen erstarrt war, liefen langsam im Tempo des Begreifens die Tränen über die Wangen. Der Elefant mit der Rose! Eben noch in ungewisser Ferne gewähnt, lag er ihr hier zu Füßen als demutsvolles Symbol der Ehrfurcht vor der Vergänglichkeit und Unendlichkeit allen Seins. Ein Meisterwerk mühevoller, langmütiger Kleinstarbeit in synchroner Zusammenarbeit vieler emsiger und geduldiger Hände auf einen Moment hin, der nur ein absichtlich unverhältnismäßiges Zeitmaß lang währte.

Durch ihren Tränenschleier erblickte sie Nereid am Rand einer Lotusblüte auf der Schulter des Elefanten sitzen, wie sie versprochen hatte, von der Betrachterin abgewandt, sie hatte ihre Aufgabe erfüllt.

Sie beugte sich über die unfassbare Gegenwärtigkeit des so lange Erwünschten, das sie, für sich genommen, keinen Schritt weiter zur Genesung ihres Liebsten brachte und doch ein dermaßen manifestiertes Zeichen der Hoffnung war, dass man sich fast darin verlieren konnte.

Sie ging in die Knie, um noch genauer sehen zu können, was einen ähnlichen Effekt hatte wie das genauere Fixieren der Nymphe, nämlich dass das Gesamtkunstwerk zu verschwimmen begann, und ließ ungewollt, aber nicht störend ein paar Tränen auf die Spitze des linken Stoßzahnes tropfen, die diesen zum Glänzen brachten. Ohne zu wissen, was sie tat, ließ sie Nereid durch ihren Mund mit ihrer gemeinsamen Stimme die alte Zauberformel sprechen: „Sesam, öffne dich!“, vielleicht inspiriert durch die ähnliche Konsistenz des Sands. Mit einem Mal erhob sich ein lauer Wind, der das der Perfektion entrissene Bild emporhob und für einen kurzen Augenblick wie einen fliegenden Teppich in der Luft ausgebreitet schweben ließ, um es im nächsten Moment auseinanderstieben zu lassen, sei es, dass die Sandkörnchen als Staubwolken durch die breiten Ritzen der Hütte stoben, sei es, dass der Sand wieder zu Boden fiel und durch ein dort plötzlich vorhandenes Loch breitflächig zu rieseln begann.

Ehe sie es sich versah und sie auch nur den Hauch einer Chance bekam zu reagieren, wurde sie von dem Sog erfasst, der Boden unter ihren Füßen gab nach und sie stürzte hinab.

 

(Bild HAMADRYADES)
Hamadryades, 2012
Nicht sehr tief fiel sie wieder auf ihre Knie in den nach unten gerutschten Sand am Grund eines ca. drei Quadratmeter großen und zwei Meter tiefen Erdlochs, an dessen Wänden überall noch der Sand herunterrann. Sie blieb ein paar Atemzüge so, wie sie gefallen war, um ihrer Benommenheit Herrin zu werden.

Vor ihren Augen kristallisierte sich dabei zwischen dem wie kleinere und größere Wasserfälle hinabstürzenden Sand ein weitverzweigtes massives Wurzelwerk heraus, das von dem gewaltigen Mangobaum stammen musste, der etwas weiter oben nicht weit von dem Holztempel auf einem kleinen Hügel wuchs, dessen ausladende Krone der Hütte zu mancher Tageszeit Schatten spendete. Ihr Blick blieb daran hängen, sie wusste nicht warum, sie konnte ihn nicht lösen… Sollte sie nicht schleunigst das Weite zu suchen und lieber mit Hilfe der starken Wurzeln aus dem Loch kriechen, bevor sie vielleicht noch tiefer einsank?! Doch ihre Augen klebten wie hypnotisiert an dem verschlungenen Wurzelgeflecht, dessen Drehungen und Biegungen sie an verrenkte und ineinander versenkte Leiber erinnerte. Sie schienen einander wie Gliedmaßen zu umklammern, scheinbar gleichsam motiviert von Verzückung, Panik und Scham. Nun blickte sie auch in die verzerrten Gesichter der nackten Wurzeln, die sie unverhohlen neugierig beobachteten und zurückstarrten wie hinter Gitterstäben, die ihre Arme und Beine selbst bildeten.

Während sie den Blick nicht abzuwenden vermochte, wo immer er auf die entfernt verwandten, wenn auch entstellten Gesichtszüge von ihm und ihr traf, sprachen die Goldfische – so schien es ihr zumindest – in ihr zu ihr: „Dies sind deine und die Geister deines Liebsten aus all euren gemeinsamen Leben, wie ihr sie karmisch miteinander verquickt habt im uralten Wechselspiel irdischen Daseins. Sieh nur, was ihr zusammen durchgemacht, erlebt, erlitten und erschaffen habt! Durch deine Liebe, deinen Mut, deine Klugheit, Entschlossenheit und Beharrlichkeit hast du sie ans Tageslicht geholt, ihre Lebensgeister erblicken noch einmal das Licht der Welt und erfrischen sich an der Luft, um endlich erlöst zu werden und zu vergehen. Dein Gemütszustand durchschreitet in notwendiger Logik die Elemente, um den alchemistischen Prozess der Erlösung zu bewirken. Traumwasser hat dich von zu Hause fortgespült, der Wind das Symbol deiner Suche verweht, um die handfesten Urformen eurer Existenz freizulegen. Das Feuer der Reinigung und Heilung wird…“ Wieder gingen die Worte in unverständliches Gemurmel über und unter.

 

(Bild ARSLAN)
5_UnityArt_Nabiha+Thom_Arslan_2011_contes
Wie gebannt starrte sie in die vielen Augen überall um sie her, bis sie glaubte in einem 360 Grad-Panoramablick alle gleichzeitig zu erfassen, bis sie nicht mehr wusste, ob ein Augenpaar in eine Vielzahl Augen blickte oder umgekehrt eine Vielzahl Augen wie die ins Unzählige gesteigerten Punktaugen einer Spinne in ein einziges Paar menschlicher Augen lidlos zurückstarrte.

Da fingen die Augen um sie zu glühen an, bis sie Feuer fingen und einzelne Flämmchen aus den Ritzen der Wurzeln hervorzüngelten. Schnell griffen die Flammen nach allen Seiten über und wälzten sich schließlich wie ein einziges ununterscheidbares Flammenmeer über das Geflecht um sie her. Erneut bevor ihr Verstand auch nur anfangen konnte zu ermessen, was all dies für sie bedeutete, zerbarst mit einem Mal alles um sie her und die Augen explodierten in Myriaden von Sternen. Emporgehoben in schwerelosen Raum durchströmten Gefühle und Erinnerungsfetzen all der gemeinsam verbrachten Leben sie wie der rückwärts ablaufende Lebensfilm eines Sterbenden, nur dass sie hier eher den gesamten karmischen Strang eines Seelenzyklus umfassten.

Die gesamte Energie ihres Seelengefährten ballte sich aus dem Spektakel eines Feuerwerks kosmischen Ausmaßes zusammen und erschien ihr als überdimensionaler Löwenkopf, eine ihr aus irgendeinem tief verborgenen Grund vertraute Form, die er annehmen konnte, die ihm entsprach, in der er sich gerne zeigte, wenn er sich seines wahres Selbst bewusst war. Sie sah noch, dass die Schnauze des Löwen einem Schädel glich, wie ein Kippbild, je nach dem, wie man es betrachtete…

Dann hüllte ihr Geliebter sie ein und sie fühlte nichts mehr als dieses eine typische, unverwechselbare Gefühl, das man individuell einzigartig nur mit einer Seele in Verbindung bringen kann und das jedes für sich eine göttliche Saite erklingen lässt.

 

Stille.

Frieden.

 

(Bild FIREBIRD)
7_Unity Art Nabiha+Thom_Firebird_2012_contest
Aus der Asche des kosmischen Seelenfeuers erhebt sich ein Vogel, dessen leichter Körper und erhabene Schwingen aus den Erfahrungen ihrer Leben bestehen. Der Vogel so unvergleichlich wie diese. Ihr gemeinsames Meisterwerk der Schöpfung, ihre Schönheit, ihr geläutertes Leid, ihre durch alles irdische Vergessen gerettete Liebe, ihre Wahrheit.

 

(Bild EOS)

Die Sonne ging auf. Eos erschien mit IHREM Gesicht über dem Horizont. Ihre Augen waren noch geschlossen.

Ihr Ich regte sich, räkelte sich.

Bedeutete die Erscheinung des Totenschädels, den sie gesehen hatte, dass ihr Geliebter in ihrer Abwesenheit gestorben war?

Oder war sie selbst im Feuer des Löwenkopfes ums Leben gekommen?

Lebte sie oder war sie tot?

Lebte er oder war er tot?

War sie hier oder da? Wo war hier, wo war da?

Sie sah sich selbst als Pilgerin in Bhutan vor einer Hütte sitzen mit geschlossenen Augen sich ausruhend. Sie machte eine Pause von der langen Reise. Hinter ihren geschlossenen Lidern sah sie sich mit auf das Bettlaken eines Krankenbetts herabgesunkenem Kopf.

War sie selbst es, die totkrank war?

Die inneren Augen im Kopf auf dem Bettlaken sahen eine Pilgerin…

Wo war sie, wenn sie die Augen aufschlug?

Und wo war er? Er war der Löwenkopf, er war immer da. In der Welt und in ihrem Herzen.

Was war leben, was war tot sein, wenn nicht anders sein?

Blickte sie in die Welt oder blickte die Welt in sie?

Beide strahlten sich an.

Ein neuer Tag brach an.

 

 

 

#12 Eimear, April 13 2013 (blog) on HAMADRYADES:
„SSSssssshhhh! One rule about the Hamadryades is that you don’t talk about the Hamadryades…..“

 

 

#13 Max Rewald, 05. März 2013 (im blog) zu mehreren Bildern:
„cherry dreaming“ (EOS)
„in touch with the inner fish“ (NEREID)
„elephant flower“ (NGORONGORO)
„peaceful warrior“ (AL RACHILA)
„new year´s attack“ (ARSLAN)
„unzertrennlich“ (HAMADRYADES)
„x-ray eagle“ (FIREBIRD)

 

 

#14 Anneliese, 07. März 2013 (im blog) zu mehreren Bildern:
„Sonnenuntergang, Frau sitzt am Strand und ruht sehr in sich: sie spürt Wärme, Frieden, hat einen schönen Traum“. (EOS)
„Wir bestehen aus Wasser, Menschen waren mal Fisch – eigentlich ist das unsere Welt.“ (NEREID)
„Elefantenhaut-Kaktus, Kaktus-Elefantenhaut.“ (NGORONGORO)
„Da möchte ich auch sitzen.“ (AL RACHILA)
„Feuer, Feuer, Feuerwerk.“ (ARSLAN)
„Wunderbar alt.“ (HAMADRYADES)
„Blue Firebird – geht aufrecht, nicht hastig, mit kühlem gelassenem Blick, weiß um seine schöne Erscheinung.“ (FIREBIRD)

 

 

#15 Jeannette Roschlau, 08. März 2013 (im blog):
„Ich erkenne eine feenähnliche Gestalt, die in eine anderen Sphäre eingetaucht ist. Ein Traum, von dem sie eingehüllt ist. Sie schaut friedlich und besänftigt. Wunderschön, in den Tiefen des Ozeans, schillernd und leuchtend die Farben. Das Licht, welches in die Tiefe hinabscheint und alles verzaubert, wirkt irgendwie magisch und man möchte mit hineintauchen.Wie in einem verzauberten Meeresgarten.
Ein wirklich TRAUMHAFTES Bild!“ (NEREID)

„Ein schönes warmes Licht fällt auf die in einen Traum versunkene junge Frau. Friedlich wirkt Ihr Blick, fast wie in einem “Dornröschenschlaf” – umrankt von Ästen und Zweigen.“ (EOS)

 

 

#16 RoGer, 14. Mai 2013 (per Email):
„Die Fotos auf der Website sind faszinierend. Besonders das Wurzelwerk  (HAMADRYADES) hat mich angesprochen. So verschlungen wie das Leben. Anbei noch ein paar weitere Gedanken:

EOS
Morgenlicht leuchtet
Durchsonnend den Schlaf
Mild und zart wird
Der Tag dich wachküssen.

 

NEREID
Kommt es nicht aus dem Wasser
Das Leben?
Täten wir es nicht gern den Fischen gleich?
Schwerelos aktiv sein

 

AL RACHILA
Begegnung
Alte Schrift erinnert
Westlich europäisch Rastende
Auf welchem Boden wir stehen
Woran wir uns anlehnen
Wollen wir verstehen ?

FIREBIRD
Kalt bist Du
Starr stehst Du
Kristallig zerbrechlich
Verblasst ist die Farbe
Des Feuers in Dir
Wer wird Dir wiedergeben
Die Kraft aufzufliegen
Wie ein Adler?

 

NGORONGORO
Kraft und Zartes
Stärke und Feines
Standfeste Ruhe
Windbewegte Blüte.
Beides verbindend
Lebt die Schöpfung in Fülle
leben wir erfüllt.“